“Labern statt machen” lautete eine Initiative, die kürzlich gestartet wurde und auch mein Beitrag hier kann, da er textueller Natur ist, durchaus als “Labern” gebrandmarkt werden. Doch wäre all das, wenn wir PIRATEN ein wenig nachdächten, wenn wir das, was wir uns auf die Fahnen schreiben, auch tatsächlich umsetzen, ja, wenn wir nur unsere Satzung, die ja für uns bindende Vorschrift ist, einmal läsen, völlig unnötig.
So steht nämlich in § 4 Abs. 1 Satzung der Piratenpartei Hessen (Auslassungen und Hervorhebungen von mir):
Jeder Pirat hat das Recht und die Pflicht, [...] sich an der politischen und organisatorischen Arbeit der Piratenpartei Deutschland zu beteiligen.
Gut, daß das mehr eine “moralische” Verpflichtung ist, ist mir auch klar, aber bitte! Sollte das für uns, die wir uns von den “etablierten” absetzen wollen, die wir “denen da oben” zeigen wollen, daß es Alternativen gibt, nicht eine Selbstverständlichkeit sein? Ja, nicht jeder hat ausreichend Zeit, nicht jeder hat ausreichend Geld, auch ich gehöre zu der Kategorie, die von beidem zu wenig hat, um mich so zu beteiligen, wie ich es mir wünschen würde - aber wenn genug Zeit für Neid, Mißgunst und Mißtrauen da ist, warum zum Henker, können wir denn die nicht besser nutzen, als mit irgendwelchen Pauschalisierungen, Generalisierungen, Verdächtigungen und Unterstellungen uns gegenseitig zu blockieren und zu nerven?
Wollten wir nicht von einem positiven Menschenbild ausgehen? Ja, es kann sehr gut sein, daß es faule Eier unter den Piraten gibt. Ja, es kann sehr gut sein, daß die sich auch gut zu tarnen wissen und ja, es kann sogar sein, daß uns, aller Aufmerksamkeit zum Trotz, welche “von denen” durch die Lappen gehen können und sie an Posten gewählt werden, wo man sie besser nicht hingewählt hätte - aber das ist doch menschlich! Erwarten wir doch von uns selbst keine Perfektion! Wir sind nicht perfekt, niemand von uns, und wenn wir Fehler machen, dann sollten wir daraus lernen, sie so weit es geht korrigieren und beim nächsten mal nicht wiederholen - aber wir sollten nicht vor Angst erstarren und versuchen, im Vorfeld alle Fehlerquellen auszuschließen, denn das kostet uns letztendlich mehr, als uns lieb sein kann.
Es kommt immer auf den Einzelfall an. Manch einer würde von einem Land- oder Bundestagsmandat wirtschaftlich besser gestellt, andere schlechter. Mancher müßte viel mehr Zeit mit seinem neuen Beruf verbringen, ein anderer vielleicht weniger - aber das alles sind Kriterien, die eigentlich nur zweitrangig sein sollten. Eigentlich ist die Definition des perfekten Kandidaten eine ganz einfache: der beste Kandidat ist der, der die Arbeit am besten erledigt. Der Teufel steckt nur auch hier im Detail, da sowohl die Arbeit als auch die Bewertung, wie gut sie erledigt werden, nicht absolut meßbar sind. Vor allem haben wir im Prinzip von niemandem “Vergleichsdaten” und sollten die auch gar nicht haben müssen. In einer idealen Welt würden nur die, die sich ernsthaft zutrauen, die Arbeit leisten zu können und gleichzeitig eine gewisse Grundbefähigung auf einer Vielzahl von Gebieten sowie den Willen, ihre Kraft entsprechend einzusetzen, mitbringen, sich überhaupt aufstellen lassen. In derselben idealen Welt würde jeder Täuschungsversuch darüber sofort von den Wählern bemerkt. Wir liegen aber irgendwo dazwischen und deshalb ist vielleicht eine der wichtigsten Eigenschaften, die wir brauchen, das Vertrauen.
Damit meine ich nicht das kumpelhafte “Amigo”-Vertrauen, das ein Ministerpräsident seinem Banker-Freund und Parteikollegen entgegenbringt, sondern das Vertrauen, daß sich der Mensch, der sich bereit erklärt, ein Mandat zu übernehmen, über die Wichtigkeit desselben im Klaren ist und es nach seinen besten Kräften auszufüllen sucht, das Vertrauen der Kandidaten in sich selbst, dies leisten zu können und das Vertrauen der letztlich gewählten in diejenigen, die ihn gewählt haben, daß sie ihn nach Kräften bei der Erfüllung seiner Aufgabe zu unterstützen. In einem Klima, wie es derzeit vielerorts geschürt wird, ist das aber nur sehr schwer möglich, daher appeliere ich an jede und jeden:
Laßt Euren Verstand regieren! Nehmt teil! Nehmt Euch Eure Kandidaten genau unter die Lupe! Bildet Euch selbst Euer Urteil! Und dann stimmt ab, wie es Eurem besten Wissen und Gewissen entspricht. Wählt - im wahrsten Sinne des Wortes - die Piraten, die ihr für am besten geeignet hat. Es gibt viele Zeichen, sie zu erkennen, es gibt auch viele Zeichen, Ungeeignete zu erkennen. Welche das sind hängt von Euch ab. Aber seid aufmerksam. Nehmt teil. Denn die Freiheit, die wir als PIRATEN wollen, ist die Freiheit, die mit Verantwortung einhergeht. Ihr habt die Freiheit zu wählen, Ihr habt die Verantwortung dafür, was Ihr wählt. Es liegt an Euch, an jedem einzelnen.
Denn nur so kann Demokratie funktionieren!




